Die Pizza Marinara gehört zu den ältesten Pizzavarianten Italiens und stammt aus Neapel. Gemeinsam mit der Pizza Margherita bildet sie die Grundlage der traditionellen neapolitanischen Pizzakultur und wird bis heute nach festen Regeln zubereitet. Im Gegensatz zu vielen modernen Pizzen kommt die Marinara vollständig ohne Käse aus und überzeugt durch ihre schlichte Kombination aus Tomaten, Knoblauch, Oregano und hochwertigem Olivenöl.
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme enthält die Pizza Marinara keine Meeresfrüchte. Der Name leitet sich vermutlich von den neapolitanischen Fischern und Seefahrern (marinai) ab, die dieses Gericht nach ihrer Rückkehr in den Hafen häufig aßen. Eine andere Erklärung besagt, dass die wenigen, lange haltbaren Zutaten ideal für längere Seereisen geeignet waren. Beide Theorien unterstreichen den engen Bezug der Pizza zur maritimen Geschichte Neapels.
Die Ursprünge der Pizza Marinara reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück und machen sie zu einer der ältesten dokumentierten Pizzasorten. Bereits bevor die Pizza Margherita Ende des 19. Jahrhunderts entstand, wurde die Marinara in den Straßen Neapels verkauft. Sie galt als preiswerte Mahlzeit für Arbeiter, Händler und Hafenarbeiter und entwickelte sich schnell zu einem festen Bestandteil der regionalen Küche.
Das Originalrezept ist bewusst einfach gehalten. Auf den lang gereiften Pizzateig werden zerdrückte Tomaten, fein geschnittener Knoblauch, getrockneter Oregano und natives Olivenöl extra gegeben. Nach dem Backen wird die Pizza häufig mit frischem Basilikum verfeinert, wobei dieser nicht zwingend Bestandteil des traditionellen Rezepts ist. Gerade weil nur wenige Zutaten verwendet werden, ist deren Qualität entscheidend für den authentischen Geschmack.
Die Pizza Marinara wird traditionell in einem holzbefeuerten Steinofen bei Temperaturen von etwa 430 bis 485 °C gebacken. Nach lediglich 60 bis 90 Sekunden entsteht der charakteristische luftige Rand mit den typischen dunklen Röstaromen. Auch im heimischen Backofen lässt sich mit einem gut vorgeheizten Pizzastein oder Pizzastahl ein sehr gutes Ergebnis erzielen.
Im Haushaltsbackofen spielt die Vorbereitung eine entscheidende Rolle. Ein Pizzastein oder Pizzastahl speichert die Hitze und sorgt dafür, dass der Boden schnell gebacken wird. Dadurch erhält die Pizza eine knusprige Unterseite, während der Rand luftig bleibt. Der Backofen sollte mindestens 30 bis 45 Minuten auf höchster Stufe vorgeheizt werden, damit Stein oder Stahl ausreichend Hitze aufnehmen können.
Besitzer eines speziellen Pizzaofens profitieren von deutlich höheren Temperaturen. Geräte wie Ooni, Gozney, Witt oder Cozze erreichen Temperaturen von über 400 °C und ermöglichen Backzeiten von nur 60 bis 90 Sekunden. Dadurch entstehen die typischen dunklen Röstaromen am Rand und die weiche, elastische Krume, die für eine originale neapolitanische Pizza charakteristisch sind.
Im Jahr 2017 wurde die Kunst der neapolitanischen Pizzabäcker von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Dazu gehören sowohl die Pizza Margherita als auch die Pizza Marinara, deren traditionelle Herstellung bis heute von der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) dokumentiert wird. Die festgelegten Richtlinien sorgen dafür, dass die ursprüngliche Rezeptur und das handwerkliche Können erhalten bleiben.
Heute zählt die Pizza Marinara zu den beliebtesten klassischen Pizzen Italiens. Ihre Kombination aus aromatischen Tomaten, würzigem Knoblauch, Oregano und hochwertigem Olivenöl zeigt eindrucksvoll, dass eine authentische Pizza keine Vielzahl an Zutaten benötigt. Gerade ihre Einfachheit macht sie seit Jahrhunderten zu einem festen Bestandteil der neapolitanischen Küche.
Zubereitung
Zutaten für 4 Pizzen
Für den Teig
- 500 g Weizenmehl Typ 00 oder Typ 550
- 325 ml Wasser
- 15 g Salz
- 2 g frische Hefe
Für den Belag
- 250 g San-Marzano-Tomaten oder hochwertige italienische Dosentomaten
- 2 Knoblauchzehen
- 2 TL getrockneter Oregano
- Natives Olivenöl extra
- Frische Basilikumblätter (optional)
Zubereitung
- Hefe im Wasser auflösen und mit Mehl sowie Salz zu einem glatten Teig verkneten.
- Den Teig 18 bis 24 Stunden im Kühlschrank reifen lassen.
- Vier Teiglinge formen und vor dem Backen etwa 2 Stunden bei Raumtemperatur ruhen lassen.
- Den Backofen mit Pizzastein oder Pizzastahl mindestens 30 bis 45 Minuten auf höchster Temperatur vorheizen.
- Die Tomaten leicht zerdrücken und nach Belieben mit etwas Salz würzen.
- Den Teig von Hand zu einer Pizza formen.
- Die Tomatensauce dünn auf dem Teig verteilen.
- Den Knoblauch in feine Scheiben schneiden und gleichmäßig auf der Pizza verteilen.
- Mit Oregano bestreuen und mit etwas Olivenöl beträufeln.
- Im Haushaltsbackofen auf Pizzastein oder Pizzastahl 5 bis 8 Minuten backen. Im Pizzaofen bei 400 bis 450 °C beträgt die Backzeit etwa 60 bis 90 Sekunden.
- Nach Wunsch mit frischem Basilikum garnieren und sofort servieren.